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Home : Sonderthemen : Kork & Korkenzieher
Kork & Korkenzieher
Fakten, Tradition und Technik
Kork ist eines jener Produkte, die
seit Jahrtausenden von den Menschen genutzt werden. Bereits die Ägypter
haben vor über 4000 Jahren Kork verwendet, später auch die Chinesen,
Griechen und die Römer. Im alten Rom wurden unter anderem fassartige
Gefäße mit Korkstücken verschlossen. Mit aufkommen der Glasflaschen im
17. Jahrhundert, begann der Kork seinen Siegeszug als Flaschenverschluß.
Seit einiger Zeit finden kontroverse Debatten über das Thema Kork
und alternative Drehverschlüsse für Weinflaschen statt und ein Ende ist
nicht in Sicht.
Weintrinker sind Genießer und zum vollendeten Genuß gehört für viele
eben auch das Zelebrieren des Entkorkens, das intensive Riechen am
Korken und schließlich der erste Probeschluck um festzustellen, ob der
Wein ”Kork hat”. So verwundert es auch nicht, daß das Thema oftmals mit
starken Emotionen diskutiert wird.
Kork – ein viel gefragtes Produkt – ist teuer geworden und häufig ist
die Qualität mangelhaft. Aber nur ein guter Korken kann einen
hochwertigen Wein schützen und lange erhalten helfen. Insofern ist es
verständlich, daß immer wieder Versuche unternommen werden, den
Flaschenverschluß Kork durch andere Materialien wie
Kunststoffverschlüsse oder Drehverschlüsse zu ersetzen. Ohne Frage sind
Drehverschlüsse anerkannte Flaschenverschlüsse, die einen Wein über
lange Zeit vor dem schädlichen Sauerstoffeinfluß schützen können. In
Württemberg ist es zwischenzeitlich üblich, Literflaschenweine mit
einem Drehverschluß zu verschließen und auch kleinere Flaschengrößen,
wie wir sie in Flugzeugen oder im Speisewagen der Bundesbahn finden,
ebenso in der Zimmerbar von Hotels, sind vielfach mit
Schraubverschlüssen verschlossen. Dies in erster Linie deshalb, üblich,
weil ein Drehverschluß einfach ohne den Einsatz eines Korkenziehers
geöffnet werden kann und – was bei Literweinen in der Gastronomie
üblich ist, wo der Wein glasweise ausgeschenkt wird – die Flasche
wieder verschlossen wird. Dies ist bei einem Drehverschluß wesentlich
einfacher als bei einem Korken.
Kork braucht viel Zeit
Kork wird von Korkeichen gewonnen. Die Korkeichen werden geschält,
wobei darauf geachtet wird, daß eine ausreichende Schutzschicht (ca.
20%) erhalten bleibt, so dass die Korkeiche vor Austrocknung und
Infektion geschützt bleibt. Es dauert volle 30 Jahre bis eine Korkeiche
das erste mal geschält werden darf. Geerntet werden kann nur alle neun
Jahre; so lange braucht die Eiche Zeit, um wieder eine ausreichende
Rindenstärke bieten zu können. Insgesamt kann ein Baum bis zu 20 mal
geschält werden.
Korkeichen prägen das Landschaftsbild Portugals
Kork wächst in zahlreichen Mittelmeerstaaten, dort findet die Korkeiche
das für sie ideale Klima. Der mit Abstand größte Korklieferant ist
Portugal (über 50%), gefolgt von Spanien (ca. 28%). Weitere Anbauländer
sind Italien, Frankreich, Algerien, Marokko, Tunesien, China und Korea,
jeweils aber nur mit sehr geringem Anteil.
Gerade für Portugal stellt Kork einen sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor
dar. Von der Korkindustrie wird auch immer wieder auf die positiven
Umwelteinflüsse durch den Korkanbau hingewiesen. Die Eichen schützen
die meist kargen Böden durch ihre ausladende Krone und das weit
verzweigte Wurzelwerk vor Austrocknung und vor Erosion. Ein weiterer
Vorteil von Korkeichen-Anpflanzungen ist, daß sie im Gegensatz zu
anderen Kulturpflanzen nicht bewässert werden müssen.
Außergewöhnliche Eigenschaften eines Naturstoffes
Seine hohe Elastizität und Verdichtbarkeit, sowie seine
Undurchlässigkeit für Flüssigkeiten und Gase zeichnen den natürlichen
Rohstoff Kork insbesondere aus. Genau diese Eigenschaften sorgen seit
jeher für seine Nutzung als Flaschenverschluß.
Schon die Ernte entscheidet über die Qualität
Die Qualität variiert von Baum zu Baum; deshalb muß bereits bei der
Ernte eine qualitative Begutachtung und Selektion erfolgen. Das Ernten
bedarf sehr großer Sorgfalt; die Rinde wird mit Hilfe von speziellen
Äxten von erfahrenen Erntehelfern vorsichtig gespalten. Dabei müssen
die Arbeiter stets darauf achten, daß die sogenannte Mutterschicht –
die Schicht, die als Schutzschicht dem Baum erhalten bleiben soll,
nicht beschädigt wird. Ist die Mutterschicht beschädigt worden, so kann
in der nächsten Ernte nur ein geringwertiger Kork abgeschält werden, da
sich der Kork von der Verletzung her wulstartig und ungleichmäßig
ausbreitet. Nach dem Ernten werden die Korkplatten mindestens eine
Stunde lang in Wasser gekocht. Zum einen werden so Insekten, die in der
porösen Oberschicht des Korks Unterschlupf gefunden haben abgetötet,
zum anderen wird dem Kork auch das Tannin entzogen. Durch das Kochen
wird der Kork weich und elastisch und die Korkplatten verlieren ihre
Wölbung. Als nächstes muß der Kork bei Dunkelheit mindestens 6 Wochen
reifen. Entscheidend hierbei ist auch gerade die Luftfeuchtigkeit.
Trocknet der Kork zu schnell, können Risse entstehen, dauert der
Vorgang zu lange, vor allem bei zu hoher Luftfeuchtigkeit, kann sich
Schimmel im Kork ausbreiten. In beiden Fällen wäre der Kork als
Flaschenverschluß nicht mehr einsetzbar.
Leider finden trotz intensiver Bemühungen der Korkhändler immer wieder
unsachgemäß gelagerte Korken Verwendung als Flaschenkork.
Nach Beendigung der Reifezeit werden die Korkplatten in Streifen
geschnitten. Aus diesen Korkstreifen werden die Korken gestanzt. Diese
Arbeit wird nach wie vor von Hand ausgeführt. Die Reste werden in
anderen Bereichen z.B. zu Bodenbelägen weiterverarbeitet.
Natürlich gibt es nicht nur Korken die aus einem Stück gefertigt sind.
Heute finden sich auf dem Markt verschiedenste Ausführungen. So gibt es
die sogenannten Presskorken. Dabei wird der Korken maschinell dadurch
erzeugt, daß entweder Korkpellets oder Korkscheiben miteinander zu
einem Korken in gewünschter Länge und Dicke in Verbindung mit
speziellen Klebstoffen gepreßt werden. Der Vorteil hierbei ist die voll
automatisierte, maschinelle Herstellung, sowie die Verwendung von
Korkabfallstoffen, die diese Korken ungleich günstiger gegenüber den
handgefertigten Stücken macht. Allerdings sind die Presskorken zum
einen aufgrund eventueller Geschmacksbeeinträchtigungen durch
minderwertige Korkqualität und die eingesetzten Klebstoffe in Verruf
geraten, zum anderen wurde auf eine mögliche
Gesundheitsbeeinträchtigung durch den Kleber hingewiesen. Die Industrie
hat darauf reagiert, in dem sie überwiegend auf unbedenkliche
Klebstoffe zurückgegriffen hat.
Gute Qualität hat ihren Preis
Die Qualität von Korken ist sehr unterschiedlich; so reicht die
Preisspanne bei Flaschenkorken von wenigen Pfennigen bis hin zu weit
über 50 Cent je Korken.
Der Einsatz von Korken mit schlechter Qualität hat dafür gesorgt, daß
jedem Weintrinker die Aussage ”der Wein hat Kork” geläufig ist. Wichtig
für einen guten Korken ist die sorgsame Ernte und Auswahl des Korks
sowie die richtige und zeitlich ausreichende Lagerung der Korkplatten.
Nur so kann sichergestellt werden, daß von Pilzsporen unkontaminiertes
Material verwendet wird. Der Kork sollte aus einem Stück gefertigt
sein. Für die Lagerung der fertigen Korken sollte nur luftdurchlässiges
und geruchsneutrales Material verwendet werden. Schließlich sollten
auch die Lagerbedingungen für die Korken im Hinblick auf Gerüche,
Luftfeuchtigkeit, etc. entsprechend sein. Leider wird auch allzu oft
bei Weinen mit Fehltönen (sog. Böxer) der Korken als Verursacher
vorgeschoben. Dabei ist es oft der Wein selbst, der durch fehlerhaften
Ausbau, falsche oder unsaubere Verarbeitungsmethoden oder durch falsche
Lagerung unangenehmen Geruch und Geschmack erzeugt.
Wein muß atmen
Korkverschluß ist heute kein absolutes Muß mehr für Wein. Nur Weine die
noch in der Flasche reifen müssen und tanninhaltige Rotweine sind auf
einen Korken angewiesen, da nur der Kork den Wein ausreichend mit
Sauerstoff versorgt.
Zum Schluß bleibt die Kontroverse
Der Einsatz von Kork ist heute also vor allem eine Sache des Geschmacks
und weniger der Qualität. Und so werden sich die Fachleute auch
weiterhin darüber streiten, ob der Korken ersetzt werden soll oder
nicht. Letztlich entscheiden die Verbraucher, ob Sie künftig auch
alternative Verschlüsse akzeptieren, oder ob Sie einen Korken für
unerläßlich halten, wenn es um das Gesamtbild einer guten Flasche Wein
geht. Schließlich bedeutet es ein besonderes Erlebnis, die Flasche mit
dem Korkenzieher vorsichtig zu öffnen, am Geruch des Korkens
festzustellen ob der Wein in Ordnung ist und an der Länge des Korks
sowie seines Zustandes zu sehen ob der Weinerzeuger zum Verschließen
der Flaschen einen hochwertigen Qualitätskorken verwendet hat, was
wiederum Rückschlüsse auf die Qualität des Weines zu läßt.
Das Problem eine Flasche zu öffnen und die Lösung
Mit dem Einsatz des Korkens als Flaschenverschluß hat sich im 17.
Jahrhundert auch ein neues Problem ergeben. Wie bekommt man diesen
Verschluß, der vollständig und sehr fest in den Flaschenhälsen steckt
wieder heraus?
Aus dieser Problemstellung heraus wurden die ersten Korkenzieher
entwickelt. 1775 wurde der erste Korkenzieher patentiert. Es handelte
sich dabei um einen Stangenkorkenzieher mit einer Bohrspirale; diese
Art ist auch heute noch gebräuchlich. Einen guten Korkenzieher erkennt
man an seiner „Seele“, der Spirale. Sie muß so gerade gearbeitet sein,
daß man durch ihre Mitte einen dünnen Bleistift stecken kann. Im laufe
der Jahrhunderte wurden über 400 Patente für Korkenzieher vergeben.
Unter anderem gibt es Stangen-, Glieder-, Spindel-, Flügel- und
Federkorkenzieher. Um den Kraftaufwand zu minimieren, wurde und wird
auf verschiedene ausgeklügelte Hebelmechanismen zurückgegriffen. Einen
anderen Weg beschreiten dagegen Korkenzieher, bei denen eine Kanüle
durch den Kork gestoßen wird um dann durch dieselbe Luft oder ein Gas
in die Flasche zu drücken. Der Korken wird somit also herausgepreßt.
Die Vielfalt in Form, Farbe und Ausführung hat Korkenzieher zu einem
begehrten Sammlerobjekt werden lassen.
Autor: Boris Cech
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