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Home : Sonderthemen : Schokolade.html

Kakao, das "Götter-Getränk" der Olmeken, Mayas und Azteken
Grundsubstanz für das "Götter-Getränk" Kakao sind die großen, braunen Samen (Kakaobohnen) des Urwaldbaumes, der vom großen Botaniker Linné "Nahrung der Götter" (Theobroma cacao L.) genannt wurde. Das "L." steht für seinen Namen (Linné), denn er war der berühmte schwedische Wissenschaftler, der eine umfassende Einteilung der Pflanzen vornahm und dem Kakaobaum diesen verheißungsvollen Namen gab. "Theobroma Cacao" - theos (Gott) - broma (Trank) - ist ein immergrüner Baum, der vorzugsweise in den feucht-warmen Tropen nördlich und südlich des Äquators gedeiht. Er verträgt weder Trockenheit, noch Kälte oder Wind und auch keine Staunässe. Er gedeiht am besten inmitten eines möglichst naturnahen Regenwaldes mit natürlicher Beschattung, Windschutz, organischem, lockerem Boden und benötigt ein förderliches Mikroklima mit gleichbleibend hoher Luftfeuchte und Temperaturen. Der Kakaobaum erreicht die Höhe eines Apfelbaumes und trägt ab dem dritten Jahr Früchte bis maximal zum 20. Lebensjahr. Er wird im Schutz höherer Bäume angepflanzt, um ihn vor Sonne und Wind zu schützen. Seine Blätter sind ca. 25 cm lang, dunkelgrün und ledrig. Die Pfahlwurzeln dieser kleinen Bäume reichen ca. 2 m tief. Die Bestäubung der sich das ganze Jahr hindurch direkt am Stamm und an den großen Ästen bildenden tausenden von kleinen Blüten ist problematisch. Nur ein bis drei Prozent reifen daher zu einer Kakaofrucht heran. Ein guter Baum kann je nach Sorte und Klima in 4 bis 8 Monaten aus den kleinen blassrosa Blüten ca. 50 bis 150 Früchte bilden, die zu Beginn des Reifeprozesses grün und zum Erntezeitpunkt sortenabhängig rot, braun oder gelb sind. Die Kakaobohne wächst im Inneren dieser großen Früchte, die ausgereift etwa 20 cm lang, oval und an den Enden spitz zulaufend sind. Sie enthalten in ihrem weißen, weichen Fruchtfleisch zwischen mindestens 20 und in guten Jahren bis zu 50 Bohnen. Diese "Kakaobohnen" sind zwei bis vier cm lang und wiegen ein bis zwei Gramm. Die Reife der Kakaofrucht wird anhand ihrer Färbung und des Klanges, der durch leichtes Klopfen hervorgerufen wird, beurteilt. Die übliche Erntezeit ist von Mai bis Dezember - in einigen Anbauländern wird Kakao jedoch ganzjährig geerntet. Dazu werden die Kakaobohnen mit dem Fruchtfleisch aus der Schale genommen und zum Fermentieren für sechs Tage in Bananenblätter eingeschlagen. Ein komplexer chemischer Prozess lässt die Bohnen schokoladenbraun werden, das Aroma entwickelt sich, der herbe Geschmack verliert sich. Auf Bambus-Matten werden sie dann zum Trocknen ausgelegt und nach ca. 20 Tagen - in Jutesäcken verpackt - auf die Reise zur Schokoladenfabrik geschickt. Für die Weiterverarbeitung zu Schokolade werden die folgenden drei Kakaosorten, die alle zur selben Art "Theobroma cacao" gehören, verwendet: Criollo, Forastero und Trinitario. "Criollo" (= der Edle) ist die ursprüngliche feinste und säureärmste Kakaosorte aus dem milden Klima und den fruchtbaren Lagen in Südamerika. Sie ist sehr wertvoll und teuer, wegen ihrer Krankheitsanfälligkeit somit am seltensten. "Forastero" (= Fremdling) ist ein Hochland-Kakao mit wüchsigen, robusten Bäumen, die sehr dunkle und eher bittere Bohnen hervorbringen. 80 Prozent der Weltproduktion sind vom unedlen Forastero-Typ. "Trinitario" ist eine Kreuzung aus den beiden Wildformen. Sie vereinigt deren positive Eigenschaften zu einem ertragreichen, robusten Baum mit edlen Bohnen. Der Anteil an der Weltproduktion liegt derzeit bei ca. 15 Prozent. Die Inhaltsstoffe des Kakaos können sich sehen lassen, denn sie enthalten beachtliche Mengen an Kalium, Magnesium, Vitamin E und Ballaststoffen. Die hauptsächlich im Kakaofett enthaltene Stearinsäure hat einen neutralen Effekt auf den Blutcholesterinspiegel. Schwarze Schokolade lässt den Blutzuckerspiegel nur langsam steigen und ist daher auch für Diabetiker geeignet. Sie hat keinen negativen Effekt für die Zähne, denn die bitter schmeckenden Gerbstoffe sind wirksame Gegenspieler der Karies. Kakao enthält u. a. auch stimulierende Alkaloide wie Theobromin, Coffein und Phenylethylamin, die gegen Depression und Liebeskummer helfen sollen. Das südamerikanische Volk der Olmeken, die vor etwa 3000 Jahren südlich von Veracruz/Mexiko als Ureinwohner ihre Hochkultur entwickelten, kultivierten als erste den Kakaobaum. Der Gott Quezalcoatl, der Gärtner des Paradieses, hatte der Erde und ihnen den Kakaobaum geschenkt, wie es in einer olmekischen Sage heißt. Im fruchtbaren Tiefland im Golf von Mexiko zeugen noch heute die mächtigen in Stein gehauenen Kopfskulpturen von der bedeutenden Kultur dieses Volkes. Die Olmeken waren die ersten, die die unscheinbaren Bohnen rösteten, stampften und mit Wasser zu einem Brei verrührten, um "cacao" zu trinken. Denn das Wort "cacao", ursprünglich"kakawa" ausgesprochen, gehörte bereits vor 3000 Jahren zu ihrem Wortschatz. Später kultivierten die Mayas und danach die Azteken die Kakaopflanze. Sie schätzten ihre braunen Bohnen nicht nur als Lebens- sondern auch als Zahlungsmittel. Entsprechend wertvoll war sie damals den Herrschern und dem Adel vorbehalten. Schon die Mayas bereiteten aus dem "cacahuatl" (Kakao) ein "xocoatl" (bitteres Wasser) zu, indem sie im Mörser zermahlene Kakaobohnen mit Honig, Vanille und Chilipulver in Wasser mit Holzquirlen aufwirbelten. Dieser Kakaotrunk war bitter und fettig und hatte wenig Ähnlichkeit mit dem sanften, cremigen Getränk, das wir heute kennen. Der bittere Kakaotrunk "xocoatl" galt als Quelle der Weisheit und gewaltiger Energie und steigerte die sexuelle Potenz. Vor Feldzügen durften sich die Krieger mit diesem Getränk stärken. Mit der Eroberung des Aztekenreiches durch den Spanier Hernán Cortés im 16. Jahrhundert nahm der Siegeszug der kleinen braunen Bohne seinen Lauf. Doch erst der Rohrzucker verhalf der Schokolade zum Durchbruch. Das bittere Kakaogetränk wirkte nämlich auf die Spanier zunächst abstoßend. Im 17. Jh. aber konnte sich Kakao durch den Zusatz von Zucker und Vanille zu einem Luxusgetränk in ganz Europa entwickeln. Durch die Kolonisatoren fand der Kakaobaum weltweite Verbreitung und wird seither auch in Südostasien und Afrika angebaut. Mit Beginn der industriellen Verarbeitung der Kakaobohnen zu Kakaopulver und Kakaobutter wurden schließlich auch Schokoladentafeln hergestellt. Das Mundgefühl und der Geschmack von Schokolade haben das zart-schmelzende, verführerische Produkt weltweit beliebt gemacht. Seine allgemeine Wertschätzung verdeutlichen folgende Bezeichnungen: "Blut einer Prinzessin" bei den Olmeken ... "Lebensbaum" bei den Mayas ... "Aphrodisiaka" bei den Azteken ... als "Zaubertrank" von Casanova benützt... Goethe und Schillers "beliebtestes Getränk" ...
Tipp von der Redaktion: Im Heft 4, Winter 2005, das am Freitag, dem 04. November 2005, erscheint, berichten wir in "WELT DES GENIESSENS" über Wein & Schokolade. Sie lesen richtig. Schokolade und Wein passen durchaus zusammen! Dabei dachten wir nicht nur an Kombinationen von Schokolade und edelsüßen Weinen, sondern durchaus auch an Kombinationen mit trocken ausgebauten Weiß- und Rotweinen. Im wahrscheinlich bisher größten und internationalsten Test in Sachen Wein & Schokolade wurden mehr als 200 Weine und über 100 Schokoladensorten für diesen Praxistest bereit gestellt. Dabei wollten wir nicht den besten Wein oder die beste Schokolade ermitteln. Vielmehr ging es um Geschmackskombinationen, die "selection" seinen Lesern empfehlen kann. Ein solcher Überblick ˆ so die Meinung der Redaktion ˆ kann dazu beitragen, den Konsumenten die vielfältige Geschmackserlebniswelt von Wein & Schokolade zu erschließen und Anregungen zu geben, die vorgestellten Kombinationen nachzuvollziehen oder aber selbst auf eine Wein-und-Schokoladen-Entdeckungsreise zu gehen.
Klaus W. Grundstein