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werden wir sie in Zukunft über verschiene "Themen rund um den Wein"
informieren. Das Angebot wird ständig erweitert. Es wird sich also
lohnen auch diese Seite öfters zu besuchen.
Collio – Hochsitz des Weins im Friaul
Im Friaul, der Landschaft um Udine, wird eine einfache Küche bevorzugt.
Die Polenta, ein Maisgericht, das in anderen Teilen Italiens als das
„Essen der armen Leute“ gilt, wird hier hoch geschätzt und gerührt,
gebacken oder gegrillt mit Käse, Fisch, Fleisch, Milch oder Wurst
verfeinert. Eine große Rolle spielt auch das Schweinefleisch. In vielen
Familien ist es üblich, ein Schwein großzuziehen, das dann zum Fest vom
purcitar, dem fahrenden Metzger, geschlachtet wird. Oft trifft man im
Friaul auch heute noch auf den fogolar, eine offene Feuerstelle in der
Küche, die zum Rösten von Schweinefleisch benutzt wird. Die Region ist
bekannt für seine Speckerzeugung. Die Pancetta, die zwölf Stunden
geräuchert und sieben Monate gereift wird, ist die bekannteste
Spezialität und der berühmte Prosciutto di San Daniele, neben dem
Parmaschinken wohl einer der weltweit bekanntesten Schinken Italiens,
stammt aus dem kleinen San Daniele del Friuli, wo er durch eine eigene
DOC geschützt wird. In Triest, dem ehemaligen Handelshafen der
Donaumonarchie Triest, ist noch immer der Einfluss der
österreichischen, kroatischen, ungarischen und slowenischen Küche
spürbar. Die Spezialität Karniens, im Norden Friauls, ist der
Frico, eine Art Käsefladen, der in der Pfanne geröstet wird. Auch der
Montasio, ein seit dem 12. Jahrhundert bekannter Käse wird hier mit
eigenem DOC-Prädikat produziert. In den Küstenorten Friauls mit den
bekannten Touristenzentren Lignano, Sabbiadoro, Bibione, den Lagunen
von Grado und Marano, stehen wie überall an Italiens Küsten oft
Meeresfrüchte und Fische auf dem Speiseplan. Weintrinkern ist im Friaul
besonders der Collio (von colle „Hügel“) bekannt. Er liegt hart
an der Grenze zu Slowenien bei Goriza und einige Weinberge liegen
jenseits der zu Zeiten des Kalten Kriegs streng bewachten Grenze. Was
nach dem Zerfall des Habsburger Reiches sogar den Ost-West-Konflikt
überstand hat auch nach der Integration Sloweniens in die EU Bestand:
Italienische Winzer, die auch auf der slowenischen Seite des Hügels,
dem Brda, Weinberge besitzen, dürfen ihren Wein mit einer
EU-Ausnahmeregelung dennoch mit italienischem Etikett verkaufen und
umgekehrt. Die berühmtesten und mit 85 Prozent meistangebauten Reben
des Collio bringen Weißweine aus Pinot bianco, Chardonnay, Ribolla
Gialla, Tocai Friuliano oder Sauvignon blanc. Die Hügellandschaft
verfügt über die charakteristischen „Flysch“-Böden aus Ton und Sand,
die zu den besten Italiens zählen. Flysch ist eine wiederholte Abfolge
von dünnen Tonschichten und mächtigen Sandbänken und zeichnet sich
durch runde Geländeformen aus. Auch Malvasia istriana, Müller-Thurgau,
Riesling und Welschriesling gedeihen gut in den Weinbergen. Große
Rotweine aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Pinot nero,
Schioppettino und Tazzelenghe wachsen besonders gut an der wärmeren
Südflanke des Collio. Die Collio-Weine behalten durch einen guten
Säuregehalt auch beim Barriqueausbau ihre Frische und lebendige
Fruchtigkeit. Auch der Grappa, ein Schnaps aus ausgepressten Schalen
der Weintrauben, stammt aus Friaul. Wie stolz die Winzer des Collio auf
Ihre Weine sind, die mit den Jahren immer besser geworden sind, sieht
man dem druckfrischen Buch „Collio. I volti di una terra.“ deutlich an.
Die großen Winzer der Region hat man darin einzeln vorgestellt und Land
und Leute liebevoll, aber leider nur in italienischer Sprache,
geschildert. Zum großen Teil liegt der Fortschritt wohl an der
verbesserten Weinbautechnik, die dort mit den Jahren Einzug genommen
hat. Junge Önologen und Agronomen haben sich dort quasi
Feldforschung betrieben und mit neuen Anbausystemen und –praktiken die
Basis für deutlich bessere Weine gelegt. Die meisten der
hochprämierten Weingüter des Collio konzentrieren sich auf die Orte
Capriva del Friuli, Cormons und Goriza. Dort hat man vor nicht
allzu langer Zeit, in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, den
Weinbau revolutioniert und mit Temperatursteuerung im Stahltank, Gärung
des Mostes ohne Kontakt zur Schale und eine strenge Unterbindung der
Oxydation blitzsaubere, körperreiche, kraftvolle und moderne Weine
geschaffen, die schnell internationales Aufsehen erregten. Einer
der interessantesten Weine der Region ist der Tocai Friuliano. Mit 30
Prozent des Friauler Weißweins ist die edle Rebe eines der Standbeine
des Weißweinausbaus. Trotz des irreführenden Namens hat sie nichts mit
der ungarischen oder der Elsässer Tokai-Traube gemein und ist nicht
damit verwandt. Der jung zu trinkende Wein von hellem Gelb verströmt
feinblumige Mandelaromen mit Anklängen von Akazienblüten und Apfel. Mit
milder Säure umschmeichelt er den Gaumen weich und samtig. Ein
anderer spannender Wein der Region ist der Ribolla Gialla mit seiner
strohgelben Farbe und leichten grünlichen Reflexen, einem Aroma von
Akazien- und Kastanienblüten, einem vornehmen und herzhaften Geschmack
und einem nachhaltigen Aroma von grünen Äpfeln und Birnen mit leichter
mineralischer Note. Wir haben einige der Weingüter besucht
und ihre Weine verkostet. Besonders gut gefiel uns dabei das schmucke
Castello di Spessa, das man mit seinen 30 ha gut und gerne als Grand
cru des Collio bezeichnen kann. Loretto Pali hat die Kellerei aus dem
14. Jahrhundert es in den 80er Jahren erworben. In dem tiefen Bunker
lagern in Barrique die vornehmen Riservas. Der Collio Sauvignon Segrè
2003 hat vom Gambero Rosso die begehrten drei Gläser erhalten und ist
ein wahrhaft prächtiger Wein seiner Art, äußerst komplex, ausgewogen
von Frucht, Alkohol und Säure. Auch das benachbarte Russiz Superiore,
wo der sympathische Marco Felluga die Fäden seiner Weingüter im
Collio-Gebiet zusammenhält, konnte mit seinen Weinen überzeugen. Der
Collio Bianco Col Disôre 2002 ist ein Cuvee aus Tocai, Ribolla, Pinot
bianco und Sauvignon und hält ungemein vielfältige Aromen für den
Weinfreund bereit. Es duftet nur so nach Pfirsich und Apfel, das Holz
gibt sanfte Vanillenoten dazu und über allem hängt ein Hauch von
Zitrusfrüchten und Wiesenkräutern. Auch der reine Pinot bianco 2003
steht dem Wein in Frucht und Fülle in nichts nach. Die benachbarte
Villa Russiz, ein Weingut in einer verkleinerten Kopie des prunkvollen
Schloss Miramare in Triest, bietet neben der guten Arbeit von Gianni
Menotti im Weinberg und Keller Wein-Business-Kurse an. Wer sich also
eine Flasche des vorzüglichen Collio Chardonnay Gräfin de La Tour 2002
gönnt, die der Gambero Rosso ebenfalls mit drei Gläsern geadelt hat,
tut gleichzeitig noch Gutes, denn der Gewinn wandert zusammen mit den
Einnahmen aus den Seminaren in den Unterhalt des Internats für Not
leidende Kinder. Der Wein verfügt über ein ausgesprochen elegantes und
gleichzeitig exotisches Bukett von Creme, Vanille und Bananen, hat
einen komplexen, fetten Geschmack und eichte Aromen von Zitrus und
heller Schokolade, aber auch der Pinot Bianco 2003 ist
ausgesprochen elegant. Matijaz Teric hat sein Weingut in San Floriano
del Collio, einer der begehrtesten Mikrozonen des Collio, da die Weine
in den dortigen Steilhängen mit seinen Böden aus Sand und Mergelton in
den Genuss der Bora aus den nahen Bergen und der Meeresbrise kommen.
Der Collio Ribolla Gialla 2003 des kleinen Weinguts ist sehr schön
fruchtig. Das Bukett verströmt Kräuter- und Zitrusnoten und am Gaumen
dominieren Pfirsich und Aprikose bei einer leichten Zitrusnote. Auch
der Collio Sauvignon 2003 mit Zitrusfrucht und exotischen Fruchtnoten
und einem intensiven Geschmack kam bei der Verkostung gut an. Zwischen
Cormans und Capriva liegt Carlo di Pradis, die Kellerei der Gebrüder
Buzzinelli, die ihre Weine sehr traditionell friaulisch ausbauen. Der
sehr angenehme, samtige Collio Merlot 2000 mit weichen Tanninen
hat ein fruchtiges Bukett von reifen Pflaumen und Himbeeren und einen
langen Abgang. Das Weingut Fiegl in Gorizia verfügt über zwei sehr
trinkenswerte Produktlinien: die Premiumlinie Leopold, die länger im
Keller verweilt und die sehr süffige Basisreihe, die einen guten
Eindruck vom Terroir vermittelt. Sehr schön das weiße Leopold Cuvée
Blanc 2002 mit seinem eleganten Quitten- und Birnenaroma, das auch
preislich attraktiv ist – was leider nicht für alle Weine aus dem
Collio gilt. Auch der Collio Merlot Leopold 2000 mit seiner kräftigen
Struktur und seinen schönen Aroma von schwarzen Johannis- und
Holunderbeeren begeisterte uns. Preislich wissen die Winzer aus dem
Collio durchaus, was ihre Kreszenzen wert sind. Unter 10 Euro ist
kaum etwas Gutes zu bekommen und die Topweine kosten auch gerne mal
über 40 Euro pro Flasche. Weitere Spitzenweingüter im Collio: Roncus,
Schiopetto, Borgo San Daniele, Mauro Drius. Livio Felluga, Edi Keber,
Dario Raccaro, Ronco dei Tassi, Ronco del Gelso, Franco Toros, Gravner,
Eddi Luisa, Vie di Romans, Lis Neris, © Nilgün
Burgucu/Michael Ritter
Essigspezialitäten
Sauer macht gelüstig
„Jetzt ist alles Essig!“, sagt man in Süddeutschland, wenn etwas nicht
mehr zu retten ist. Dieser Ausspruch zeigt den schlechten Ruf des
Essigs, der diesem lange Zeit zu Unrecht anhaftete. Auch wenn
Essigbakterien daran „schuld“ sind, dass guter Wein „kippt“ und sauer
wird – mit dem echten, edlen Essig hat dieses Zufallsprodukt in der
Regel wenig gemein, auch wenn die ersten Essige wohl auf diese Weise
entstanden sind. Seit Urzeiten haben unsere Vorfahren bereits Essig als
Nahrungsmittel, in der Medizin und Kosmetik verwendet: In 8.000 Jahre
alten Gefäßen konnten bereits Spuren von Essig nachgewiesen werden. Er
war besonders in Mesopotamien und Ägypten sehr beliebt – im Land
zwischen Euphrat und Tigris schätzte man schon vor mehr als 4.000
Jahren „saures Bier“, eine Art Bieressig. Der griechische Gelehrte
Hippokrates berichtete über Anwendungen des Essigs bei
Atemwegserkrankungen und Verdauungsbeschwerden. Auch die Japaner
konservierten schon im 17. Jahrhundert rohen Fisch, indem sie ihn in
Essigreis einpackten, eine Frühform des heute beliebten Sushi.
Wie Essig entsteht
Wenn Wein intensiv mit Luft in Berührung kommt, entsteht Essig. Das
wussten schon die alten Griechen. Aber erst Louis Pasteur gelang es
1864, dem Zufallsprodukt auf die Spur zu kommen – und das Geheimnis der
Essiggärung zu lüften. Er stellte fest, dass sich die in der Luft
befindlichen Essigsäurebakterien (Acetobacter) an den Nährstoffen auf
der Oberfläche einer leicht alkoholischen Flüssigkeit festsetzen,
vermehren und so den Alkohol in Essig umwandeln. Damit war der
Grundstein für eine gezielte Essigherstellung gelegt. Ein Unternehmen,
das heute einen hochwertigen Essig herstellt, kontrolliert die richtige
Gärtemperatur ebenso wie die exakte Menge an Sauerstoff. Beide Faktoren
werden mit dem Alkohol und der Säure so abgestimmt, dass die Bakterien
ihre optimale Aktivität entfalten können. Die reine Essiggärung im
Fermenter dauert rund sechs Wochen. Anschließend kommt der Essig in
Lagerfässer, um je nach gewünschter Geschmacksausprägung weiter zu
reifen.
Seit Anfang der achtziger Jahre ist ein wachsendes Interesse an guten
Weinessigen und Essigspezialitäten zu beobachten. Es war die „Nouvelle
Cuisine“, die die leichte, gesunde Küche gefördert und damit den Essig
wieder populär gemacht hat. Und auch wenn sie selbst heute fast schon
Geschichte ist – der Essig hat seinen Platz behauptet. Zuallererst ist
Essig heutzutage sicher ein beliebtes Würzmittel, das Speisen
verfeinert und ihnen einen einzigartigen Geschmack verleiht. Früher
hauptsächlich für Salatdressings oder Spezialitäten wie Sauerbraten
oder saure Nierle verwendet, finden sich Essigspezialitäten als
besondere Würze heute überall in der feinen Küche – das Spektrum der
Verwendungsmöglichkeiten ist praktisch unendlich. Ein Schuss Essig an
Saucen und Gemüse, zu Fleischgerichten oder Meeresfrüchten gibt den
Speisen den gewissen Pfiff. Und er kann noch mehr: Beim Salat schließt
der Essig das Aroma der Salatblätter und der Kräuter auf. Beim Gemüse
bewahrt er die Frische der Farbe und die enthaltenen Vitamine; er
aktiviert die Ballaststoffe und macht sie besser verdaulich. Fleisch
macht der Essig zart und gibt ihm einen würzig-pikanten Geschmack.
Fisch hält er länger frisch und bringt den Eigengeschmack besser zur
Geltung. Deutschlands älteste Essigmanufaktur ist der Familienbetrieb
Carl Weyers in Donaueschingen mit einer mehr als hundertjährigen
Tradition. Hier entstehen Spezialitäten wie Löwenzahnblüten-,
Tannenspitzen- oder Eiswein-Essig. Seit mehr als zwanzig Jahren hat
sich der „Doktorenhof“ in Vennigen in der Pfalz der Kunst des
Essigmachens verschrieben. Neben Basisessigen für die tägliche Küche
fertigt die Manufaktur vielfältige Heilpflanzenessige und aromatische
Aperitif- und Digestif-Essige – aus eigenen Weinbergen und fast
ausschließlich von Hand verarbeitet. Nicht nur der hausgemachte Senf,
auch Marmeladen bekommen hier mit einem Schuss Essig den sauren Kick.
Selbst vor mit Essig veredelten Pralinen und Kaffee schrecken die
Essigliebhaber nicht zurück.
Essig – Vielfalt ohne Grenzen
So vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten sind auch die
Essigvarianten: Da gibt es zunächst den einfachen Branntweinessig, der
relativ wenig Eigengeschmack besitzt und hauptsächlich als Einlegeessig
in der Industrie verwendet wird, zum Beispiel für Gewürzgurken oder
Mixed Pickles. Der Weinessig wird aus Rot- oder Weißwein hergestellt,
hat einen Essigsäuregehalt zwischen sechs und zehn Prozent und einen
spritzigen Geschmack, wobei Weißweinessig die mildere Variante
darstellt. Obstessig kann prinzipiell aus allen Obstsorten gewonnen
werden, die gängigste Variante ist allerdings der Apfelessig. Ihm wird
auch der größte gesundheitliche Nutzen zugeschrieben, da er alle
wertvollen Inhaltsstoffe des Apfels enthält. Aromaessige entstehen beim
Versetzen mit diversen Früchten, Kräutern und Gewürzen. Bei der
Zusammenstellung sind kaum Grenzen gesetzt und sie können auch selber
angesetzt werden. Beispiele sind der beliebte Sieben-Kräuter-Essig, der
Zitronen- oder Himbeeressig. Weingüter und Winzergenossenschaften
fertigen ihre Winzeressige aus eigenen Trauben. Spitzenköche kreieren
mittlerweile ganze Menüs mit Edelessigen aus speziellen Rebsorten wie
Riesling, Spätburgunder oder Gewürztraminer. Daneben gibt es diverse
internationale Spezialitäten: Bekannt ist der Sherryessig aus der
Gegend um Jerez de la Frontera in Andalusien, wo er mit dem
„Solera-Verfahren“ hergestellt wird, das auch dem Sherry-Wein sein
unverwechselbares Aroma gibt. Sein kräftiger Geschmack harmoniert gut
mit Fleisch, er ist daher besonders für Marinaden und Chutneys
geeignet. Malz- oder Bieressig wird vorwiegend in Nordeuropa und
England hergestellt, aber auch in Deutschland, etwa aus bayerischem
Bockbier. Mit seiner kräftigen Art passt er zu deftigen Gerichten.
Reisessig ist besonders in China und Japan beliebt. Der milde Essig
eignet sich hervorragend für die süßsauren asiatischen Gerichte, zum
Einlegen von Gemüse und für das „Trend-Gericht“ Sushi. Rosinenessig ist
hauptsächlich im Mittelmeerraum verbreitet. Das fruchtig-kräftige Aroma
verfeinert Salate, Fleisch- und Fischgerichte. Was fehlt? Natürlich der
„Aceto Balsamico di Modena Tradizionale“, der als „König der Essige“
bezeichnet wird. Die Besonderheit des Edelessigs: Er wird aus
eingedicktem Traubenmost hergestellt und lagert jahrelang in Fässern
aus unterschiedlichem Holz, wodurch er seine süße und dickliche
Konsistenz erlangt und seine unnachahmliche Reife. Allerdings ist auch
der Preis oft beachtlich – die billigere Alternative sind die einfachen
Balsamessige, die industriell produziert werden und geschmacklich mit
den „traditionellen“ Vertretern oft wenig gemein haben.
Nicht nur schmackhaft, sondern auch gesund
Die Neuentdeckung der Essigspezialitäten ist sicher auch eine Folge des
Wellness-Zeitalters, das immer neue – oder eben alte – Mittel sucht und
entdeckt, um der Gesundheit auf die Sprünge zu helfen. Im menschlichen
Organismus selbst wird ständig Essigsäure auf- und abgebaut. Und zwar
erheblich mehr, als man selbst bei unmäßigem Genuss von Essig zu sich
nehmen könnte. Essig verstärkt die Magensäureproduktion und fördert
dadurch die Verdauung. Er enthält wichtige Aminosäuren sowie Vitamine
aus dem B-Komplex, und – Diätwillige aufgepasst – er kann helfen,
übertriebene Gelüste auf Süßigkeiten zu regulieren. Der Essig erfüllt
daher die Wünsche der Konsumenten nach einem natürlichen
Nahrungsmittel, dem noch dazu vielfältige Heilwirkungen nachgesagt
werden. Die Historie belegt, dass die heilende Wirkung des Essigs im
Zusammenspiel mit ausgesuchten Pflanzen quer durch alle Kulturkreise
bekannt war. Viele der geschichtlich überlieferten Heilwirkungen
wurden, obwohl seit Tausenden von Jahren erfolgreich, erst in jüngster
Zeit wissenschaftlich belegt. So testete die
Weltgesundheitsorganisation WHO in Zusammenarbeit mit dem
Hygiene-Institut der Frankfurter Goethe-Universität die Wirkung
unterschiedlichster Substanzen auf den Erreger der Lungenkrankheit SARS
– die Doktorenhof-Essige ließen dem Überträgerstoff der Krankheit keine
Chance und töteten die Keime binnen einer Minute vollständig ab.
Ähnlich positive Ergebnisse sind bei bakteriellen Erkrankungen oder
hinsichtlich der physiologischen Wirkungen der Essige zu verzeichnen.
Sie regen den Stoffwechsel an, aktivieren Mund-, Magen-, Darm- und
Bauchspeicheldrüsen optimal, wirken entschlackend, verdünnen das Blut
und befördern die Ausschüttung von Testosteronen und Östrogenen –
weshalb der „Säftelockerer“ auch als Aphrodisiakum gilt. In der Kur
werden Essig-Sahne-Bäder, Essigheilwickel gegen Krampfadern oder
Essigfangopackungen gegen Rheuma eingesetzt, gegen Bronchitis und
Asthma wird essiggeschwängerte Luft eingeatmet. Nicht zuletzt ist das
Sprichwort „sauer macht lustig“ auf die Verwendung von Essig
zurückzuführen. Das Sprichwort hieß früher allerdings ganz anders,
nämlich: Sauer macht „gelüstig“. Heute würde man einfach sagen: Sauer
regt den Appetit an. Deshalb reichte man früher zu Beginn von
Fressgelagen sauer Eingelegtes. Entsprechend behandelte Gurken fehlen –
zur Steigerung des Durstes mit viel Salz angereichert – auch heute noch
in keinem russischen Menü. Eine Alternative sind Aperitif-Essige, die
immer mehr Anhänger finden. In unzähligen Geschmacksvarianten
angeboten, sind sie ein leckerer Einstieg in einen „gelüstigen“ Abend.
Karin Wiemer
Wein gesund genießen - Erziehung gegen den Alkoholmissbrauch
Brüssel. Nur wenn Wein moderat getrunken wird, ist er ein bekömmlicher
und gesunder Bestandteil einer modernen Ernährung. Jeglicher Missbrauch
schadet nicht nur dem Einzelnen und der Gesellschaft, sondern belastet
auch das Ansehen des Produktes und der Branche. Daher ist der gesamte
Weinsektor daran interessiert, gemeinsam mit den zuständigen
Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft präventive
Maßnahmen zu ergreifen, um über die Vorteile eines moderaten Konsums
von Wein zu informieren und vor dem Missbrauch von alkoholischen
Getränken zu warnen. Der Weinsektor weist darauf hin, dass die weitaus
größte Zahl aller Verbraucher gesundheitsbewusst ihren Wein genießt.
Sie dürfen nicht mit staatlichen Reglementierungen belastet werden, die
für die Minderheit derjenigen, die alkoholische Getränke zur "Lösung"
ihrer sozialen Probleme missbrauchen oder aus anderen Gründen
gesundheitsschädigend konsumieren, gedacht sind. Daher wird generelle
Verteuerung (z.B. durch Steuererhöhungen) von alkoholischen Getränken
oder eine Verminderung ihrer Verfügbarkeit (z.B. durch Einschränkung
von Verkaufsorten oder -zeiten) darauf abzielen, den Konsum
alkoholischer Getränke insgesamt zu senken, abgelehnt. Nach Auffassung
von COPA-COGECA in Brüssel, die die Europäischen Weinerzeuger
repräsentiert, reichen die geltenden Vorschriften aus, sie müssen
allerdings konsequenter als bisher überwacht werden (Beispiel Abgabe
von alkoholischen Getränken an Jugendliche). Die Vereinigung
unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Erziehung zu einer
gesundheitsbewussten Ernährung, zu der auch ein verantwortungsvoller
Umgang der Erwachsenen mit alkoholischen Getränken gehört. Kindern und
Jugendlichen muss verständlich gemacht werden, warum sie keine
alkoholischen Getränke konsumieren sollen. Verbote provozieren zur
Überschreitung, wenn keine Einsicht in den Sinn des Untersagens gegeben
ist. Fest steht, dass im Gegensatz zu anderen alkoholischen Getränken
der Wein im Rahmen einer Marktorganisation umfassend von der Erzeugung
bis zur Vermarktung und Etikettierung reglementiert ist. Mit Blick auf
die bevorstehende Reform der EU-Weinmarktorganisation spricht sich COPA
COGECA dafür aus, dass die Förderung eines moderaten Weinkonsums und
die Verhinderung des Missbrauchs in die Ziele der Marktorganisation
ausdrücklich aufgenommen und die entsprechende Rahmenbedingungen und
Instrumente ausgestaltet werden. Warning labels werden aufgrund auch
Erfahrungen aus anderen Sektoren für ungeeignet erachtet, stattdessen
soll der Rahmen für eine informative Aufklärung und Information
geschaffen werden.
Klaus W. Grundstein
Für die Fernbeziehung gegenseitiges Zuprosten aus der Ferne
High-Tech-Gläser machen es möglich
Liebes- oder Ehepaare, die eine Fernbeziehung führen, müssen in Zukunft
nicht mehr auf ein gemeinsames Gläschen Wein verzichten. Forscher des
Massachusetts Institute of Technology [MIT] in Boston haben Weingläser
entwickelt, die über flüssige Sensoren, LED-Anzeigen und drahtlose
Verbindungen - etwa das satellitengestützte System GPRS - miteinander
kommunizieren können. Führt ein Partner sein Glas zum Mund, beginnt das
Glas des anderen in warmem Rot zu leuchten - egal wie weit die beiden
voneinander entfernt sind. Das berichtet das britische Fachjournal "New
Scientist" in seiner jüngsten Ausgabe 2542, 2006, 25). Damit ist das
gemeinsame Glas Wein am Abend auch für Paare mit Fernbeziehung in
greifbare Nähe gerückt. Denn so könnten sich auch Partner, die sich nur
selten sehen, "zwischendurch" das Gefühl romantischer Nähe
herbeizaubern, so die Forscher. Neben dem gemütlichen Trinkgenuss zu
zweit sind auch ernsthaftere Anwendungen denkbar. Mit Hilfe der neuen
Technik ließe sich beispielsweise aus der Ferne kontrollieren, ob
ältere Patienten genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Die Technologie
soll im April auf einer Fachkonferenz über die Interaktion von Mensch
und Computer [CHI 2006] in Montreal vorgestellt werden.
Klaus W. Grundstein
Wein ist gut für das Zahnfleisch
Orlando. Genießer lassen einen guten Schluck Rotwein in der Regel etwas
länger im Mund, um den Geschmack mit allen Sinnen aufzunehmen. Gut so,
sagten Forscher der Laval-Universität in Quebec bei Jahrestagung der
amerikanischen Vereinigung für Dentalforschung in Orlando, denn die im
vergorenen Traubensaft enthaltenen Polyphenole sind offenbar heilsam
bei Zahnfleischentzündungen. Vor allem in den Schalen der roten Trauben
findet sich eine Reihe von Polyphenolen, die sich in Phenolsäuren und
Flavonoide unterteilen. Während Phenolsäuren als Gerbstoffe dem Wein
häufig einen herben Geschmack verleihen, schenken die Flavonoide als
Farbpigmente den Trauben ihr blaues Aussehen. Besonders ausgeprägt sind
die stark antioxidativen Funktionen der auch als Phytamine bezeichneten
Inhaltstoffe. Die antientzündlichen Eigenschaften testeten kanadische
Wissenschaftler an Zellen von Mäusen. Zunächst isolierten die Forscher
Makrophagen aus dem Immunsystem der Tiere und behandelten sie mit
Fragmenten von Bakterien, die Zahnfleischentzündungen auslösen. Nach
einiger Zeit ließen sich vermehrt freie Radikale feststellen, die
ihrerseits das Mundgewebe schädigen. Ihre Anzahl wurde deutlich
reduziert, wenn vor dem Bakterienbefall entsprechende Polyphenole aus
Rotweinextrakten zugeführt wurden. Eine Spülung mit vergorenem
Traubensaft könnte somit aufgrund der antioxidativen Wirkung
Entzündungen im Mund vorbeugen und heilen, meinen die Wissenschaftler.
Dabei ist Rotwein am effektivsten, da anders als beim Weißwein die
polyphenolreichen Traubenhüllen mit vergoren werden.
Klaus W. Grundstein
Die Weine des Pharao Tutanchamun
Dass der ägyptische Pharao Tutanchamun (1347 bis 1339 vor Chr.) gerne
Wein trank, ist von Krügen aus seinen Grabbeigaben bekannt, auf denen
Kelterjahr, Herkunft der Trauben und der Name des Winzers vermerkt sind
("Wein des Jahres fünf aus dem Hause Tutanchamun. Vom Chef-Winzer
Khaa"). Wein war der ägyptischen Oberschicht und den Königen
vorbehalten und gehörte zu deren Grabbeigaben. Wissenschaftler der
Universität Barcelona lüfteten nun Zug um Zug nun die Wein-Geheimnisse
aller sechs Krüge aus dem 1922 entdeckten Grab des ägyptischen
Herrschers (drei Weinkrüge sind im Besitz des Britischen Museums und
drei gehören dem Ägyptischen Museum in Kairo). Mit einer neuen Methode
(Flüssigkeitschromatographen und Massenspektrometer) gingen sie ans
Werk um die Reste aus den Krügen zu identifizieren. In allen fanden
sich chemische Rückstände von Trauben. Schon im ersten Krug wurden
Spuren von Weinsäure nachgewiesen. Hier fand sich Syringa-Säure, eine
Substanz, die mit der Zeit aus den dunkelroten Anthocyan-Farbstoffen
entsteht, die dem Rotwein seine Farbe verleihen. Es war also der in
Ägypten übliche Rotwein, der sich in dieser Grabbeigabe befand. Mit den
gleichen Methoden wurden die restlichen fünf Krüge untersucht. Aber
keiner enthielt die für Rotwein typische Syringasäure. Die Forscher
sind sich daher sicher, dass sich in diesen Krügen Weißwein befand, der
wohl als gutes Getränk betrachtet wurde. Die Originalstudie wird in der
nächsten Ausgabe des "Journals of Archaeological Science"
veröffentlicht. Das britische Fachjournal «New Scientist» (Nr. 2539, S.
22) merkt an, bislangsei Weißwein erst um 300 nach Christi Geburt für
Ägypten belegt; Rotwein hingegen war als Grabbeigabe im alten Ägypten
durchaus üblich. Der Pharao verstarb im Teenager-Alter vermutlich durch
einen Schwerthieb ins linke Knie, da er eine von dieser Verletzung
verursachte Infektion nicht überlebte. Das hat ein internationales
Forscherteam festgestellt, berichtet die italienische Zeitung "Alto
Adige". An dieser Entdeckung seien auch der Südtiroler Pathologe Eduard
Egarter und der Radiologe Paul Gostner maßgeblich beteiligt, die beide
seit Jahren die "Gletschermumie Ötzi" erforschen.
Klaus W. Grundstein
Hokus Pokus oder gewagtes Experiment?
In Japan wird sekundenschnell aus neuem Wein ein reifer Tropfen gemacht
Die "Alterung" ist beim Wein alles. Manchmal wird er lange Zeit in
Eichenfässern gelagert, um ihm seine besondere Note zu geben. Kenner
bewahren besondere Flaschen über Jahre im Keller auf, um das komplexe
Bouquet genießen zu können, wenn der Wein seinen Höhepunkt in der Reife
erreicht hat. Für den Japaner Hiroshi Tanaka ist das alles
Zeitverschwendung. Er entwickelte eine Maschine, in der in wenigen
Sekunden aus einem Beaujolais Nouveau ein schöner, reifer Wein gemacht
wird. Dazu ganz gbenötigt er nur ein paar Volt für die Elektrolyse.
"Wir bearbeiten die jungen Weine und machen daraus im Handumdrehen
Flaschen mit reifem Wein", sagt Tanaka, Chef der japanischen Firma
Innovative Design and Technology, die ein kleines Labor in Hamamatsu
westlich von Tokio unterhält. "Denken sie nur daran, was man sparen
kann", schwärmt Tanaka, "kürzere Produktionszeiten, keine lange
Lagerung, keine Investitionen in Fässer." Seine Firma ist im Gespräch
mit Weinproduzenten in den US-Bundesstaaten Washington und Kalifornien,
die junge Weine liefern sollen. Die US-Tochterfirma BW2 hofft, schon
bald die Flaschen im Internet verkaufen zu können. In Japan hat Tanaka
seine Maschine schon bei Winzern, Reisweinherstellern und in
Destillerien vorgestellt. Nur ein einziger zeigte bisher Interesse. In
Europa, wo die Weinkultur zu den Grundpfeilern der Zivilisation gehört,
ist die Skepsis noch größer, denn wie soll aus einem Wein minderer
Qualität in Sekunden ein magischer, reifer Wein entstehen? Tanaka
erklärt, dass im natürlichen Reifungsprozess der Geschmack eines Weins
aus der Verbindung von Alkohol mit Gruppen von Wassermolekülen,
entstehe. Wie dies genau funktioniert, wird in der Wissenschaft noch
diskutiert, Tanaka hat aber nach eigenen Angaben mit seinem
patentierten Elektrolyseverfahren einen Weg gefunden, die
Wassermolekülgruppen in Sekunden so aufzubrechen, dass sich diese mit
dem Alkohol verbinden können. Für den untrainierten Geschmack wurde so
aus einem Beaujolais Nouveau 2005 ein vollmundiger, komplexer Wein. Ein
genau so behandelter Sauvignon Blanc 2004 war im Nachgeschmack etwas
trockener. Auch andere Arten von Alkohol lassen sich nach Tanakas
Worten auf diese Art behandeln und veredeln. "Wir könnten guten Wein
für Europa, guten Sake für Japan, guten Wodka für Russland oder guten
Baijiu für China produzieren. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten."
Der mit der Elektrolyse behandelte Wein hat noch weitere Vorteile, so
Akihiro Hishima, ein Mitarbeiter des Entwicklerteams. Ein solcher Wein
sei gesünder, weil er nicht so leicht oxidiere und keine künstlichen
Anti-Oxidationsmittel brauche, die fast jedem Wein hinzugefügt würden,
schwenkt sein Weinglas und beißt in ein Stück Camembert. Tanaka macht
sich aber keine Illusionen, die Jahrtausende alte Geschichte der
Weinherstellung über Nacht neu schreiben zu können, denn es gibt viele
Widerstände - nicht nur in der Weinindustrie. Wir von der Redaktion
runzeln die Stirn! Ist denn dem Erfinder- und Tüftlergeist derzeit wohl
gar nix mehr heilig? Ob der Wein unter solchen Umständen weiterhin des
Menschen Herz erfreuen wird?
Klaus W. Grundstein
"Schnüffelnde" Chips"
Wissenschaftler an der University of California at Berkeley entwickeln
preiswerte Halbleiter, die zum Beispiel "riechen" können. Solche
Sensoren bestehen aus einem gedruckten Feld von Transistoren, die
Gerüche und Chemikalien in der Umgebung erkennen. Mit ihnen können
Verbraucher gewarnt werden, wenn sich z. B. der Inhalt eines
Medizinfläschchens in unerwünschter Weise verändert hat. Solche
"Silizium-Nasen" gibt es schon längst. Sie kosten aber Hunderte von
Dollar und sind daher für alltägliche Anwendungen zu teuer. Die
Berkeley-Forscher wollen diesem Problem durch druckbare und damit
billig massenproduzierbare Schaltungen aus organischen
Kohlenstoff-Halbleitern zu Leibe rücken. Über verschiedene
Zusammensetzungen reagieren die einzelnen Transistoren verschieden auf
unterschiedliche Reize oder Substanzen wie etwa Säuren und senden dann
ein elektronisches Signal aus. Mit einem solchen "Schnüffel-Chip" ließe
sich z. B. auch stichhaltig beweisen, dass ein Wein ungenießbar
(geworden) ist. Entsteht daraus möglicherweise eine "Tragepflicht"
solcher "Schnüffelchips" für Sommeliers oder steckt dann ein solcher
Schnüffler bereits in der Weinflasche? Macht es nur Plopp beim Öffnen
der Weinflasche, dann ist der Wein o.k. Gibt es ein Warnsignal ...
dann, ja dann hat sich wohl was verändert? Ist dies eine gute Nachricht
für Wein-Dilettanten? Ich lasse es offen und vertraue weiterhin "meiner
eigenen" Nase! "Prosit"!
Klaus W. Grundstein
Wein und Schokolade
Vom Tabu zum Traumpaar
Wein und Kakao sind beide seit Jahrtausenden geschätzte Kulturgüter der
Menschheit. Eine geschmackliche Verbindung von Wein und Schokolade
jedoch war lange ein „weißer Fleck“ auf der Genusslandkarte und wie
zwei Königskinder, die, warum auch immer, nicht zueinander fanden.
mehr …
Kakao
Das "Götter-Getränk" der Olmeken, Mayas und Azteken
Grundsubstanz für das "Götter-Getränk" Kakao sind die großen, braunen
Samen (Kakaobohnen) des Urwaldbaumes, der vom großen Botaniker Linné
"Nahrung der Götter" (Theobroma cacao L.) genannt wurde. mehr …
Kultgetränk Kaffee
Klein, stark, schwarz
Für den Wahrheitsgehalt einer mündlichen Überlieferung aus
Abessinien, nach der im 7. Jahrhundert n. Chr. eine Ziege für die
Entdeckung des Kaffees verantwortlich zeichnet, soll an dieser Stelle
keine Verantwortung übernommen werden. Dennoch wollen wir im Folgenden
nachvollziehen, wie das köstliche und legendäre Kultgetränk Kaffee aus
Afrika über den Orient seinen Weg nach Europa fand.
mehr …
Kork & Korkenzieher
Fakten, Tradition und Technik
Kork ist eines jener Produkte, die seit Jahrtausenden von den Menschen
genutzt werden. Bereits die Ägypter haben vor über 4000 Jahren Kork
verwendet, später auch die Chinesen, Griechen und die Römer. Im alten
Rom wurden unter anderem fassartige Gefäße mit Korkstücken
verschlossen. Mit aufkommen der Glasflaschen im 17. Jahrhundert, begann
der Kork seinen Siegeszug als Flaschenverschluß. mehr ...
Olivenöl
Flüssiges Gold des Südens
Aus dem Leben im Mittelmeerraum ist das Olivenöl nicht wegzudenken.
Seit Jahrtausenden wird dort traditionell Olivenöl verwendet. Seit Auch
in Deutschland ist das Interesse am Olivenöl stark gewachsen. Grund
genug, sich mit dieser Delikatesse genauer zu befassen. mehr ...
Allergien auslösende Stoffe müssen gekennzeichnet werden
Daher muss "Enthält Schwefel" auf dem Weinetikett stehen
Elf Lebensmittelgruppen und Schwefelchemikalien, die besonders häufig
Allergien auslösen, müssen ab 25. November 2005 auf Produktverpackungen
angegeben sein. Es sind glutenhaltiges Getreide (u. a. Weizen, Gerste,
Roggen, Hafer, Dinkel), Sesamsamen, Eier, Fisch, Krebstiere, Milch,
Soja, Erdnüsse, Nüsse/Schalenfrüchte, Sellerie, Senf und
Schwefeldioxid/Sulfite. Diese potentiellen Allergieauslöser müssen in
der Zutatenliste oder gesondert genannt sein, es sei denn, sie sind
Teil des Produktnamens. Produkte ohne Zutatenliste müssen
Einzelhinweise tragen. Das ist der Grund, dass mittlerweile auf den
meisten Weinetiketten "enthält Schwefel" steht und die Wein-Etiketten
somit um einen Aufdruck reicher sind. Der Schriftzug "Enthält Sulfite",
muss zu lesen sein, wenn der edle Tropfen geschwefelt wurde, was fast
immer der Fall ist. Der Sinn dieser Information ist umstritten.
"Schwefeln" eines Weines oder fachmännisch "Zusatz von Sulfiten" gibt
dem Wein eine mikrobiologische Stabilität und verhindert seine
vorzeitige Oxidation; dabei benötigen trockene Weine etwas weniger,
süße etwas mehr Sulfite, ohne die die Weine kaum für längere Zeit
haltbar zu machen wären. Hierbei ist anzumerken, dass Sulfite Allergien
auslösen können, die vor allem Asthmatikern zu schaffen machen. Dabei
werden durch das sich im Magen befindliche Schwefeldioxid bestimmte
Rezeptoren der Atemwege gereizt, die die Bronchien verkrampfen lassen.
Die Europäische Union verlangt seit dem 25. November 2005 nun das für
den Wein, was für Lebensmittel wie Rosinen und Meerrettich schon lange
gilt: Sobald der Sulfit-Gehalt den Wert von 10 Milligramm pro Liter
Wein überschreitet, muss dies gekennzeichnet werden. Die neue
Vorschrift gilt in allen europäischen Mitgliedstaaten. Obwohl von den
Winzern stets gefordert wird, die Weinetiketten möglichst zu
entrümpeln, werden sie somit von der EU verpflichtet, dass mehr auf dem
Weinetikett steht. Die Aufschrift "Enthält Sulfite" wird in der
Weinbranche eher als "verwirrend" denn aufklärend angesehen. Schon die
Römer schwefelten ihren Wein. Auch heute gibt es kaum Weine ohne
Sulfite! Fachleute bestätigen, dass der von der EU genannte Wert von
zehn Milligramm pro Liter, ab dem das Schwefeln gekennzeichnet werden
muss, bei den meisten Weinen schon von Natur aus überschritten wird.
Sie betonen dabei gleichzeitig, dass Schwefeln heute nötiger denn je
ist, da die Verbraucher frische, junge Weine fordern. Ein edler Tropfen
ohne Schwefel bekommt nun mal einen faden, alten Geschmack.
Selbstverständlich gibt es einen Grenzwert, bis zu dem Wein geschwefelt
werden darf. Dieser wird in der Weinbranche generell nur zu 50 bis 70
Prozent ausgeschöpft. Dass Schwefel im Wein Kopfweh verursache ist eine
weit verbreitete These, die aber auf einem Missverständnis beruht, das
die Verbraucher sogar vom Kauf einer Flasche Wein abhalten kann, wenn
sie auf dem Weinetikett "Enthält Sulfite" lesen. Bei der Geisenheimer
Forschungsanstalt wird kein direkter Zusammenhang zwischen Sulfiten im
Wein einerseits und Kopfschmerzen andererseits gesehen. Hauptursache
für Kopfschmerzen sei immer noch das übermäßige Konsumieren von Wein.
Eine weitere Ursache liegt aber auch in mangelnder, kellertechnischer
Hygiene, durch die Fuselöle entstehen. Schließlich gibt es Hinweise,
dass biogene Amine für die Kopfschmerzen verantwortlich sind. Hier ist
jedoch anzumerken, dass viele Käsesorten hundert Mal so viel biogene
Amine enthielten wie Wein - und dennoch keine Kopfschmerzen
verursachen. Die Kennzeichnungspflicht gilt nur für Lebensmittel, die
nach dem 25. November 2005 hergestellt wurden. Produkte, die vor dem
Stichtag produziert wurden, dürfen weiter verkauft werden. Ausgenommen
sind von der Kennzeichnungspflicht vorerst 22 Stoffe und
Lebensmittelzutaten, die nach Ansicht von Experten durch die
Verarbeitungsprozesse so stark verändert werden, dass sie ihr
allergenes Potenzial verlieren. Dazu gehören zum Beispiel Glukosesirup
aus Weizenstärke, Fischgelatine als Trägerstoffe für Vitamine und
Aromen sowie Senföl. Aus Sicht der Verbraucherschützer gibt es bei der
Lebensmittelkennzeichnung allerdings auch weiterhin Lücken. So bleiben
lose Lebensmittel wie Backwaren, Feinkostsalate sowie Wurst und auch
das Essen in der Kantine von der Kennzeichnung ausgenommen. Außerdem
gilt die Regelung nur für die zwölf Hauptallergene. Wer auf andere
Lebensmittelbestandteile allergisch reagiert, muss weiterhin auf
aufpassen und beim Hersteller nach der Zusammensetzung fragen.
Erleichtert wird die Orientierung für Allergiker allerdings durch den
Wegfall der "25-Prozent-Regel", nach der die Bestandteile
zusammengesetzter Zutaten unter 25 Prozent Gewichtsanteil nicht
aufgelistet werden mussten. Künftig müssen die "Zutaten der Zutaten"
nun vollständig deklariert werden. Dadurch kann der Verbraucher die
Zutaten der Fruchtzubereitung im Joghurt oder die Bestandteile von
Brühwürstchen im Eintopf erkennen. Ausnahmen gibt es nur in
Einzelfällen, wenn eine zusammengesetzte Zutat weniger als zwei Prozent
des Produkts ausmacht und keines der Hauptallergene enthält. Dazu
gehören unter anderem Kräuter und Gewürzmischungen, Fruchtsäfte oder
Konfitüre. Für Allergiker, die ins Ausland reisen wollen, hat das
Europäische Verbraucherzentrum Kiel den Sprachführer "Mit Allergien auf
Reisen" herausgegeben und die Liste der kennzeichnungspflichtigen
Zutaten in 14 Sprachen übersetzt.
Klaus W. Grundstein
Vino Lok - ein Ei des Columbus?
Das "Vino-Lok-System" der Firma Alcoa ist ein innovatives
Verschlusssystem für Weinflaschen. Es besteht aus einem ästhetisch
ansprechenden Glasstopfen mit einer speziellen Dichtung für sicheren
Halt im Flaschenhals sowie einer Aluminiumüberkappe zur
Originalitätssicherung. Der Glasstopfen vermittelt Wertigkeit in
Material und Design und garantiert die Geschmacksneutralität des Weins.
Eine spezielle AluCap gewährleistet den Schutz des Glasstopfens und
dient zur Originalitätssicherung. Sie wird über eine kleine gegossene
Glasausbuchtung am Flaschenhals nach rechts oder links abgedreht. Das
Vino-Lok-System ist verbraucherfreundlich ohne Hilfsmittel zu öffnen.
Zum Öffnen wird einfach der AluCap-Verschluss abgedreht und der
Glasstopfen mit der Hand "aufgeklickt". Der Glasstopfen kann auf der
flachen Oberseite sowohl mit einer Dekoration als auch mit einem Emblem
oder Logo versehen werden. Die Aluminiumüberkappe ist in verschiedenen
Farben und mit verschiedener Bedruckung lieferbar. Der Vino-Lok kann
zum Wiederverschließen der Flasche benutzt werden, ist mehrwegfähig und
recyclebar. ALCOA Deutschland gehört zum ALCOA-Konzern, Pittsburgh/USA.
ALCOA ist kein Leichtgewicht obwohl seine Produkte nur wenig wiegen.
Das Unternehmen ist der weltweit führende Anbieter von Rohaluminium,
Aluminiumerzeugnissen und Rohstoffen zur Aluminiumherstellung. ALCOA
verdiente 2004 netto 1,5 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 23,5
Milliarden Dollar. Alcoa beschäftigte in 2004 weltweit 119.000
Mitarbeiter. Der Konzern ist in der Luftfahrttechnik, dem Automobilbau,
dem Bauwesen, der Verpackungsindustrie und vielen anderen Branchen, in
denen Aluminium als Werkstoff eingesetzt wird, engagiert. Die ALCOA
Deutschland GmbH mit Sitz in Worms gehört zum Geschäftsbereich der
Alcoa Closures International (CSI) und ist im Bereich Entwicklung und
Fertigung von Verschlüssen und Verschließmaschinen für die
Getränkeindustrie tätig. Auf diesem Gebiet verfügt das Unternehmen über
eine große Erfahrung und ist einer der weltweiten Marktführer. ALCOA
stellt aber nicht einfach nur Verschlüsse her, sondern bietet der
Weinwirtschaft ein Portfolio alternativer Weinverschlüsse für den
Top-Premium-Wein ebenso wie für den Tafelwein. Den Kunden soll die
Unterstützung geboten werden, die sie von einem marktführenden
Unternehmen erwarten dürfen. War dies mit der Grund, dass Alcoa sich
entschloss das neuartige Vino-Lok-System Glas-auf-Glas-Technologie)
anzubieten? Das System wurde nach einer Idee des Mediziners und
Mitglied der Weinbruderschaft Rheinhessen, Dr. Karl Matheis, "Glas
ersetzt den Korken" durch ALCOA entwickelt und zur technischen
Serienreife gebracht. Und das geschah so: Als sich seine Nachbarn mal
wieder über Korkgeschmack ärgerten, fragte sich der Arzt aus Alzey in
Rheinhessen: "Warum nicht Glas nehmen?" Dabei ist zu beachten, dass Dr.
Matheis aus einem Weinbaubetrieb kommt. Von daher bekam er die
zunehmende Qualitätsminderung der Naturkorken mit. Als
Präventiv-Mediziner war er gewohnt vorbeugend zu denken. Die in der
Medizin verwendete Infusionsflasche mit Glasstöpsel wurde sein Vorbild.
Wein wird seit Jahrhunderten in Glasflaschen transportiert, warum also
nicht einen Glasstopfen anstelle eines Korken auf die Glasflasche? Mit
dieser Vorstellung marschierte Matheis zu Alcoa. Die dortigen
Ingenieure legten noch einen Dichtungsring um den Teil des Stöpsels,
der im Flaschenhals steckt. Er besteht aus dem gleichen Kunststoff, der
in den Schraubdeckeln steckt, die wiederum seit mehr als 30 Jahren mit
guten Erfahrungen im Einsatz sind. Neben allen Qualitätsansprüchen wird
es auch einer gehobenen Ästhetik des Produkts Wein gerecht. Fachmedien
sprechen bereits davon, dass dieser Glasstopfen den Weinmarkt
revolutionieren wird denn Vino-Lok als der neue Weinflaschenverschluss
scheint Unmögliches möglich zu machen. Er ist geschmacksneutral,
praktisch und zudem schick. Vom Naturkorken haben viele Winzer die Nase
voll. Im Durchschnitt macht er mindestens 5 Prozent aller Flaschen mit
dem Geruch nach modrigem Keller und nassem Karton ungenießbar. Und die
bisherigen Alternativen - Schraubverschluss oder Kronkorken - kommen
bei den meisten Weintrinkern nicht an. Für viele Weinliebhaber muss der
Korken beim Öffnen der Weinflasche nun mal leise "ploppen". Beim
Glaspfropfen bleibt wenigstens ein kleiner Trost: statt "Plopp" macht
es dann ein leises "Klick". So ähnlich hat es wohl geklickt, als Karl
Matheis die Idee "Glas statt Kork" im Dezember 2001 gebar. Die Stopfen
sind mit etwa 35 Cent pro Stück zwar rund zehn Cent teurer als Korken.
Der Glaspfropfen verhindert die Veränderungen, die der Kork verursachen
kann: der Wein riecht oder schmeckt plötzlich dumpf, bitter, fruchtlos
oder muffig. Dass dies am Kork liegen kann, wissen viele Weinkäufer
nicht. Sie kaufen ihren Wein dann halt woanders. Nicht alle Winzer
teilen die Euphorie mit dem Glaspfropfen; viele wollen erst einmal
abwarten, da niemand weiß, wie sich der Verschluss über 25 Jahre und
länger bewährt. Weltweit jedoch haben mittlerweile viele "die
glasklaren Vorteile" von Vino.Lok erkannt und stellen darauf um - dies
nicht zuletzt im Wissen, dass die EU-Kommission den europaweiten
Schaden durch muffigen Korkgeschmack im Wein auf etwa 500 Millionen
Euro im Jahr beziffert.
Klaus W. Grundstein
Rotwein-Substanz soll vor Alzheimer schützen
"Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben", sagte schon
Wilhelm Busch. Dem Rebensaft werden gleich mehrere positive Effekte auf
die Gesundheit zugesprochen. Einer viel zitierten dänischen Studie
zufolge soll ein Glas Rotwein täglich vor dem Herzinfarkt schützen. Und
dem edlen Tropfen werden noch weitere gesundheitsfördernde
Eigenschaften zugesprochen. Die WHO wiederum warnt vor regelmäßigem
Alkoholkonsum, auch in geringen Mengen. Klar, dass im Job, im
Straßenverkehr und für Risikogruppen Alkohol grundsätzlich tabu ist,
aber sonst scheint Rotwein ein wahres Wundermittel zu sein. Lang ist
die Liste der Beschwerden, gegen die Rotwein helfen soll und sie wird
immer länger. Vor allem die Blutfließ- und Gerinnungs-Eigenschaften
werden positiv beeinflusst, der Abbau des unguten LDL-Cholesterins
gefördert und somit das Herzinfarktrisiko gesenkt. Rotwein wirkt
durchblutungsfördernd und stärkt Herz und Kreislauf - so wird auch die
Thrombosegefahr reduziert. Außerdem soll er vor Krebs und
Gefäßerkrankungen schützen. Daneben gibt es noch jede Menge
gesundheitsfördernder "Wohlfühlfaktoren": Ein Glas Rotwein wirkt
stressabbauend, verdauungsfördernd, karieshemmend und verlangsamt den
Abbau des "Glückshormons" Serotonin. Natürlich ist Wein im Alltag keine
Medizin, kann aber unter Berücksichtigung aller Risiken Bestandteil
einer ausgewogenen Ernährung sein. Das Maß der Dinge macht's: Nur bei
moderatem Genuss, das heißt bei einem Glas täglich kann man auf die
positive Wirkung hoffen, trinkt man mehr, hebt der Alkohol sie wieder
auf. Außerdem sollte der Wein zum Essen getrunken werden. Es sind
verschiedenste Inhaltsstoffe aus der Natur-Apotheke, die dem Rotwein
quasi medizinische Qualitäten verleihen. Vitamine, Mineralien,
Spurenelemente (z. B. Kalium, Magnesium, Eisen, Kupfer und
Mangan) stecken im Wein. Aber auch Polyphenole, sekundäre
Pflanzenstoffe, die schon den Rebstock vor Krankheiten schützen und bei
der Weinherstellung in diesen übergehen ohne ihre medizinische Wirkung
zu verlieren, tragen ihren Teil dazu bei. Der Phenolgehalt im Wein
variiert je nach Anbaugebiet und Herstellung. Dass er gerade im Rotwein
so hoch ist, liegt daran, dass anders als beim Weißwein bei der
Herstellung Stiele, Schalen und Kerne mitgekeltert werden, in denen die
Phenole vor allem stecken. Eine andere Studie zeigt, dass auch die Art
der Lagerung Einfluss auf die Menge hat. So sind in Eichenfässern
gelagerte Rotweine noch wirkungsvoller, da sie viel Tannin enthalten.
Eines der Phenole, das Resveratrol scheint eine wahre Wunderwaffe zu
sein, da es auch Enzyme der Hirnzellen aktiviert. Vor allem aber haben
die Phenole antioxidative Eigenschaften, das heißt, sie wirken der
Verklebung von Blutplättchen und Fettablagerungen in den Arterien
entgegen, die feinen Kapillare bleiben frei. Der gefährliche
LDL-Cholesterin-Wert wird gesenkt, der "gute" HDL-Wert gehoben. Phenole
verhindern den Abbau von Vitamin E, das der Körper dringend benötigt,
um schädliche freie Radikale abzufangen. So wird der Entstehung von
Krebs und Gefäßerkrankungen vorgebeugt. Sie sind also richtige
Adern-Putzer, die die Fließfähigkeit des Blutes erhöhen und dazu
beitragen, dass mehr Sauerstoff ins Gewebe gelangt. Die Haut wirkt
jünger, das Hirn ist agiler. Und durch den Alkohol werden die
Polyphenole im Wein konserviert. Außerdem fördert der Alkohol die
Aufnahme Forscher vom Institute for Medical Research in Manhasset im
US-Staat New York, haben jetzt eine Substanz aus Rotwein isoliert, die
möglicherweise vor Morbus Alzheimer schützen kann (J Biol Chem, 2005,
online). Die Substanz, das Polyphenol Resveratrol, haben die Forscher
zu ß-Amyloid-produzierenden Zellen in Kultur gegeben. Amyloid-Plaques
im Hirn treten bei Morbus Alzheimer auf. Mit Resveratrol war die Menge
an Alzheimer-Peptiden in den Zellen deutlich verringert. Das Trinken
von Rotwein reiche für einen Schutz allerdings nicht aus. Die
Resveratrol-Konzentration im Wein läge weit unter denen der
Zellkulturversuche. Die Forscher wollen nun die molekularen Mechanismen
der Wirkung von Resveratrol auf die Amyloid-Synthese untersuchen. Sie
sehen darin einen Ansatz für Medikamente gegen Alzheimer. Das Besondere
am Wein ist die Summe seiner gesundheitsfördernden Stoffe, diedurch den
Alkohol konserviert und leichter in den Körper aufgenommen werden. Aber
dies funktioniert nur in Verbindung mit gesunder Ernährung,
ausgewogener Lebensweise und ausreichend Bewegung. Als gesundheitlich
verträglich gilt der Genuss von einem Glas Wein bei Frauen und zwei
Gläsern Wein bei Männern. Ein Glas Rotwein kann also bei ausgesprochen
moderatem Konsum in Verbindung mit einer gesundheitsbewussten
Lebensweise vorbeugend zur Gesunderhaltung beitragen.
Klaus W. Grundstein
Innovative Analytik in der Weinwirtschaft
In der Weinwirtschaft gilt die so genannte "GrapeScan-Technik" als
besonders innovativ. Dieses neue Verfahren wurde durch das
Dienstleistungszentrum für den Ländlichen Raum (DLR) Neustadt
vorangebracht. Mit ihm kann anhand der "FT-MIR-Methode" (Fourier
Transformierte Mitte Infra Rot Spektroskopie) auf einfache Weise in nur
wenigen Minuten eine Fülle von Qualitätsparametern, wie Reife,
Gesundheit oder Gäreigenschaften der Trauben exakt bestimmt werden und
macht eine qualitätsorientierte Bezahlung der Trauben auf analytischer
Grundlage möglich - ein Vorteil, der die Weinqualität sicherlich noch
weiter voranschreiten lässt. In weniger als 2 Minuten misst FT-MIR die
Absorption des Traubensaftes über einen weiten Wellenlängenbereich. Für
die Richtigkeit der Ergebnisse ist weniger die Hardware in Form des
analytischen Gerätes GrapeScan, als die Software in Form einer
umfassenden Eichung ausschlaggebend. Dabei werden die Ergebnisse der
aufwändigen und exakten Referenzanalytik mit den Werten des GrapeScan
verrechnet. Das rheinland-pfälzische Weinbauministerium förderte dieses
breit anwendbare Analyseverfahren im Zeitraum 2002 bis 2004 als
Forschungsprojekt am DLR Rheinpfalz, das im vergangenen Jahr
erfolgreich validiert wurde. Ca. zehn Anwender in Rheinland-Pfalz und
vierzig deutschlandweit messen mit dieser innovativen Analytik folgende
chemische Größen: Mostgewicht (Dichte), Glucose, Fructose, Gesamtsäure,
Wein- und Äpfelsäure, pH-Wert, hefeverfüg-barer Aminostickstoff,
Ammonium, Kalium und Gerbstoffgehalt, so eine Verlautbarung von Prof.
Dr. Fischer vom DLR Rheinpfalz. Der technische Betriebsleiter Jürgen
Grallath vom Deutschen Weintor berichtet, dass der GrapeScan im
Deutschen Weintor im Jahrgang 2004 erfolgreich getestet und die
Erfassung sämtlicher Trauben-anlieferungen im aktuellen Jahrgang durch
eine eigene Qualitätsmanagerin betreut worden sei. Die Erfassung der
Traubenqualität mit dem GrapeScan ermöglicht eine erfolgreiche
Rückkopplung über die Auszahlungspreise zwischen den vom Markt
nachgefragten Weinqualitäten und den im Weinberg produzierten Trauben -
eine Lösung für eine gerechte und objektive Preisfindung für den Bezug
von Trauben und Most, die auch die Entlohnung der qualitätsfördernden
Maßnahmen wie Ausdünnung, Entblätterung, intensiver Pflanzenschutz und
selektive Lese honoriert. Genauso wichtig wie die Erfassung der
Traubenqualität ist die Tatsache, dass der Kellermeister aus der
Informationsdichte der FT-MIR-Analytik sehr wichtige Schlüsse für die
weitere Trauben- und Weinbereitung ziehen kann:
· Wie lange soll die Maischestandzeit von Weißweintrauben sein oder bedarf es zur Säureschonung einer Ganztraubenpressung?
· Soll der Most geschönt werden und wenn ja, wie viel ist notwendig?
· Wie viel Gärsalz braucht der Most, damit der Wein sicher durchgärt?
· Sind die roten Trauben noch ausreichend gesund für eine Maischegärung
und wenn ja, welche Maischegärdauer ist bei der vorliegenden
Tanninreife sinnvoll?
· Welche der angelieferten Traubenpartien der gleichen Rebsorte passen
qualitativ zusammen, welche sollten besser getrennt bleiben? Der
"GrapeScan" hilft nicht nur bei der objektiven Bewertung der
Traubenqualität, sondern stellt viele schwierige und in kurzer Zeit zu
treffenden Entscheidungen des Kellermeisters auf eine objektive und
nachweisbare Wissensbasis. Auch bei der Gärkontrolle bietet der
GrapeScan seine Dienste an, da innerhalb weniger Minuten der
Vergärungsgrad oder der Gehalt an Milchsäure bestimmt werden kann.
Gleiches gilt für die meisten Parameter bei der späteren weinchemischen
Beurteilung des Weines. Ansprechpartner: Prof. Dr. Ulrich Fischer,
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum – Rheinpfalz, Abteilung Weinbau
und Oenologie, Breitenweg 71, 67435 Neustadt a. d. Weinstraße, email:
ulrich.fischer@dlr.rlp.de
Klaus W. Grundstein
Technologie im Weinbau
"Traubenernteentsafter" (engl. "juiceliner") - Quantensprung für den Weinbau weltweit?
Eine neue Generation Traubenvollernter könnte nach Ansicht von Günter
Eymael, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Weinbauministerium,
einen "Quantensprung für den Weinbau weltweit" bringen. In einem
Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird eine Maschine entwickelt, die
nicht nur Trauben erntet, sondern gleich im Weinberg über eine
Zentrifuge entsaftet und den Trester zurücklässt. Noch ist die mobile
Traubenernte- und Entsaftermaschine - englisch Juiceliner genannt - nur
eine technische Studie, mit der derzeit die Funktionsweise getestet
wird: Neue Maschine soll Wein lesen und gleichzeitig entsaften - kommt
also der Traubenmost zukünftig direkt aus dem Weinberg? Ja! Das wird
ein Vollernter der neuen Generation schaffen, der durch den Wingert
fährt, die Trauben liest und gleich vor Ort entsaftet. Der Trester wird
direkt wieder im Weinberg verteilt; in den Keller kommt nur der
Traubenmost - fertig zur Vergärung. Die Entwicklung dieser Maschine ist
noch in einem frühen Test-Stadium. Immerhin wurden im Herbst 2005 im
Rheingau und in Rheinhessen 25 Hektar Weinbergsfläche bereits mit
dieser Kombination aus Vollernter und Entsafter und einer horizontal
liegenden Zentrifuge abgeerntet. Im Moment reist die Maschine per
Schiff über den großen Teich nach Chile, wo sie ebenfalls getestet
werden soll. Im Herbst 2006 wird sie dann noch einmal durch die
heimischen Weinberge in Deutschland fahren. Die gesammelten Erfahrungen
sollen für den Bau eines Prototyps genutzt werden. Professor Tilo Hühn
vom Fachbereich Getränketechnologie der Hochschule Wädenswil/Schweiz
kooperiert seit 1999 mit zwei in Rheinland-Pfalz ansässigen Unternehmen
der Getränkebranche zur Entwicklung des"Traubenernteentsafters". Das
Dienstleistungszentrum für den Ländlichen Raum (DLR) in Bad Kreuznach
hat Versuchs- und Forschungsflächen zur Verfügung gestellt. Bei der
Analyse der Polyphenolgehalte kooperieren die Schweizer Forscher
außerdem mit dem Fachbereich Weinchemie und Getränkeanalyse der
Forschungsanstalt Geisenheim. Das rheinland-pfälzische Wirtschafts- und
Weinbauministerium hatte sich nach sorgfältiger Prüfung der Unterlagen
entschlossen, dieses außergewöhnliche FuE-Projekt mit überregionaler
Bedeutung über die Investitions- und Strukturbank (ISB) Rheinland-Pfalz
im Rahmen der Technologieförderung mit 500.000 Euro zu unterstützen,
von denen die Hälfte aus EU-Mitteln stammt. "Wir sehen hier eine
Riesenchance, mit weniger Arbeitsschritten eine höhere Qualität zu
erzeugen. Davon kann die Weinwirtschaft, aber auch der mittelständisch
geprägte Maschinenbau im Land profitieren", betont Eymael. Der
Staatssekretär skizziert folgende Vorteile: Wenn Ernte, Entsaftung und
eine erste Stufe der Mostvorklärung in einem kontinuierlichen Prozess
direkt im Weinberg ablaufen, kann eine sensible Lücke in der
Traubenverarbeitung geschlossen werden. Durch die kurze Verweilzeit des
Produktes in der Maschine werden mikrobiologische Vorgänge ebenso
reduziert, wie die Beeinflussung durch zu hohe mechanische Belastung.
Das führt zu einer spürbaren Verbesserung der Mostqualität. Die
Weinbaubetriebe werden in der arbeitsintensiven Herbstkampagne zeitlich
entlastet. Es entfallen die kompletten Rüst- und Prozesszeiten bis hin
zur Mostvorklärung. Auch Entsorgungs- und Reinigungsarbeiten im
Kelterhaus sowie der Trestertransport werden weniger. Die neue
Technologie führt zu einer deutlichen Zeitersparnis. Wo das neue System
über Lohnunternehmen eingesetztund auf herkömmliche Keltertechnik
verzichtet werden kann, entstehen deutliche Kostenvorteile. Der Bau und
der weltweite Vertrieb der neuen Technologie sichert und schafft
Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz, das mit einer Exportquote von über 40
Prozent bereits jetzt an der Spitze der Bundesländer steht und somit
auf den Weltmarkt angewiesen ist. "Wenn das neue System Marktreife
erlangt hat und sich durchsetzt, werden wir prüfen, ob wir in den
kommenden Jahren über eine Anpassung der so genannten
"Einzelbetrieblichen Investitionsförderung" Maschinengemeinschaften bei
der Anschaffung der neuen Technologie unterstützen können", sagte
Eymael. Die Technik habe auf jeden Fall das Potenzial, die Außen- und
Kellerwirtschaft im Weinbau weltweit zu revolutionieren.
Rheinland-Pfalz als Deutschlands Weinland Nr. 1 müsse auch bei der
Entwicklung neuer Technologien für die Weinwirtschaft Vorreiter sein,
so sein Fazit.
Klaus W. Grundstein
Ältester Rebstock der Schweiz stammt aus dem Jahre 1798
Der älteste Rebstock der Schweiz steht in Leuk im schönen Wallis. Die
aus dem Jahre 1798 stammende Pflanze wurde von den lokalen Winzern zu
neuem Leben erweckt. Der sechs Meter lange und rund ein Meter dicke
Rebstock befindet sich hinter der Leuker Kirche und wächst an den
Mauern eines rund 500 Jahre alten Hauses empor. Es handelt sich um die
alte Rebsorte "Rouge du pays". Um sicher zu gehen, dass es sich
tatsächlich um den ältesten noch lebenden Rebstock in der Schweiz
handelt, wurden inzwischen zwei wissenschaftliche Arbeiten in Auftrag
gegeben. Dazu gehört ein DNA-Test, der von den Eidgenössischen
Forschungsanstalten in Birmensdorf und Wädenswil vorgenommen wird. Um
das Erbgut des Rebstockes für die Zukunft zu sichern, haben sich die
Winzer zur Bruderschaft "Vitis Antiqua 1798" zusammengeschlossen. Neue
Triebe des Rebstocks wurden entnommen und an den besten Stellen in Leuk
neu gepflanzt. Der erste Jahrgang konnte letztes Jahr gekeltert werden.
Für die Leuker Winzer ist er außergewöhnlich würzig und exotisch, da er
ein Feuer von Aromen entfalte. Der erste Jahrgang umfasst knapp 1000
Flaschen. Eine Flasche dieses Weins kann jedoch nur zusammen mit
anderen lokalen Weinen erworben werden.
Klaus W. Grundstein
Das wichtigste aus den dreizehn deutschen Weinanbaugebieten zum Jahrgang 2005
Ahr
Die Winzer an der Ahr profitierten von dem sonnigen Jahr, denn die
Reben entwickelten sich bei einem hervorragendem Gesundheitszustand
bestens. Allerdings gab es im August lokale Hagelschläge, die die Ernte
in den betroffenen Bereichen um etwa 40 Prozent reduzierte. Sonnige
Zeiten im September und Oktober sorgten dafür, dass die Winzer
ausgesprochen gute Qualitäten ernten konnten. Die Mostmenge an der Ahr
liegt bei 39.000 Hektolitern
Baden
In Baden entspricht der Ertrag aufgrund der ausreichenden
Wasserversorgung bei sehr guten Qualitäten weitestgehend dem der Ernte
des Jahres 2004. Der Riesling entwickelte sich in diesem Jahr zu aller
Zufriedenheit. Allerdings mussten sich die Winzer beim Rivaner mit 20
Prozent weniger Ertrag zufrieden geben. Die Lese von Grau- und
Spätburgunder verlangte vom Winzer ein Händchen für den richtigen
Lesezeitpunkt um optimales Lesegut einzubringen. Die Qualität der
Trauben profitierte vom sonnigen Herbst, der täglich für steigende
Öchslegrade sorgte. Insgesamt lag die Menge in Baden bei etwa 1,33
Millionen Hektoliter Most.
Franken
Die Bilanz zum Ende der Weinlese lautete: "Ein Wunschjahrgang wurde
eingefahren". Im Juni und Juli zwar hatte sich die Sonne in Franken im
Juni und Juli vergleichsweise rar gemacht, jedoch rettete der wärmste
September seit Beginn der Wetteraufzeichnung die Qualitäten. Ein
Super-Jahrgang wurde allerdings durch die ergiebigen Niederschläge
während der Lese verhindert. Die Lese in Franken begann früh und wurde
binnen drei Wochen in die Keller gebracht. Daher wird in Franken von
der kürzesten Lese der Geschichte gesprochen. Die Erntemengen liegen
bei etwa 400.000 Hektolitern.
Hessische Bergstraße
An der hessischen Bergstraße sind die Winzer mit ihrer Mostausbeute von
etwa 31.000 Hektoliter zufrieden. Bei sonniger Witterung profitierten
sie von den warmen, trockenen Oktobertagen, die das Mostgewicht Tag für
Tag steigen ließen. Die Verbraucher können sich auf frische,
gehaltvolle Riesling-Weine und kräftige Rotweine freuen.
Mittelrhein
Im Weltkulturerbe Mittelrhein profitierten die Reben an den Hängen des
Rheintals von den diesjährigen guten klimatischen Voraussetzungen. Dies
gilt insbesondere für den Riesling. Im August wurden die Weinberge auch
vom Hagel getroffen. Dabei wurden insgesamt 85 ha Rebland, etwa 20
Prozent der Anbaufläche, bis hin zum Totalausfall in Mitleidenschaft
gezogen. Die Ernte der Winzer am Mittelrhein beläuft sich auf ca.
30.000 Hektoliter.
Mosel-Saar-Ruwer
An der Mosel begann die Ernte mit dem 10. Oktober früher als im
langjährigen Mittel und wurde im Vergleich zum vergangenen Jahr auch
sehr früh abgeschlossen. Die Witterung war für den Riesling optimal.
Daher wird es vom 2005er hervorragende trockene Weine aber auch
zahlreiche edelsüße Spezialitäten geben. Die Mostgewichte lagen im
Schnitt 10 Grad höher und die Fruchtsäuregehalte niedriger als 2004.
Die Qualitäten sind hoch und die Erntemengen niedrig. Sie liegen bei
825.000 Hektolitern und damit 16 Prozent unter der letztjährigen
Erntemenge.
Nahe
Die Nahewinzer konnten bei den frühen Rebsorten wie Rivaner, Bacchus,
Portugieser, Regent oder Dornfelder eine reichliche Ernte einfahren.
Dafür schrumpfte die Ertragsmenge bei den späten Sorten durch die
zunehmende Feuchtigkeit und die damit verbundene selektive Lese. Die
Ernte fiel an der Nahe in Bezug auf Menge und Qualität je nach Lage der
Weinberge sehr unterschiedlich aus. Insgesamt wird die Erntemenge auf
300.000 Hektoliter geschätzt.
Pfalz
Die Pfalz hatte ganz im Gegensatz den anderen Anbaugebieten
stellenweise Wassermangel zu verzeichnen. Im August mussten die Winzer
insbesondere an der Mittelhaardt sogar ihre Weinberge bewässern.
Dennoch lagen die Mostgewichte und Qualitäten über dem Durchschnitt im
optimalen Bereich. Je nach Lage liegen die Erträge bis zu 25 Prozent
unter der Vorjahresmenge. Insgesamt wird die Erntemenge in der Pfalz
auf rund 2,1 Millionen Hektoliter geschätzt.
Rheingau
Die Traubenreife begann im Rheingau zwei Wochen früher als im
langjährigen Mittel und somit auch der Lesebeginn. Viele Weingüter
ernteten edelsüße Spitzengewächse in beachtlichem Umfang. Die Erträge
lagen mit weniger als 70 Hektoliter pro Hektar deutlich niedriger als
im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Mit einer Erntemenge von etwa
215.000 Hektoliter liegt der Rheingau um 24 Prozent hinter der
letztjährigen Erntemenge.
Rheinhessen
Auch im größten deutschen Anbaugebiet Rheinhessen wurde eine deutlich
geringere Erntemenge als im Vorjahr eingefahren. Die Menge lag bei 2,5
Mio. Hektolitern. Der Jahrgang vereint die tiefdunklen, kräftigen
Spitzenrotweine des Jahres 2003 und die fruchtig, frischen
Weißweintypen des Jahrgangs 2004. Dank rationeller Erntemöglichkeiten
und großer Verarbeitungskapazitäten in den Kelterhäusern konnten die
Winzer den Lesezeitpunkt weit hinaus schieben und im rechten Moment
zügig ernten.
Saale-Unstrut
Die Winzer an Saale und Unstrut zählen zu den wenigen, die in diesem
Jahr mehr ernten konnten als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.
Insgesamt waren es 29.000 Hektoliter, das sind zwar 22 Prozent weniger
als im Vorjahr aber 8 Prozent mehr als im langjährigen Mittel. Mit den
Qualitäten bis zu 100 Grad Oechsle sind die Winzer sehr zufrieden.
Sachsen
Im kleinsten deutschen Anbaugebiet rechnen die Winzer mit einer
hervorragenden Qualität. Vor allem die spät reifenden Sorten wie
Traminer
und Riesling haben von dem sonnigen Herbstwetter profitiert. Aufgrund
der Niederschläge im September mussten die Trauben stellenweise sehr
selektiv gelesen werden. Die Ernte lag mit etwa 18.000 Hektolitern 4
Prozent über der des Vorjahres.
Württemberg
Die Winzer in Württemberg haben einen guten Qualitätsjahrgang ernten
können. Die Menge und Qualität liegt zwischen den Jahrgängen 2003 und
2004. Die zu erwartenden Weine werden ihren Sorten- und Gebietstyp sehr
schön ausprägen. Die Menge fällt mit 1,2 Millionen Hektolitern zwar ein
wenig geringer als erwartet aus, passt aber genau in die aktuelle
Marktsituation für Württemberger Weine.
Klaus W. Grundstein
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